schwäne, schnee und sonstiges

img_3280„Geschlechterrolle“ (Themavorschlag: Sarah)

„Was wäre gewesen, wenn die Heiligen Drei Könige Frauen gewesen wären? Die drei Frauen hätten nach dem Weg gefragt (statt einem Stern zu folgen), wären pünktlich angekommen (statt zwölf Tage zu spät zu sein), hätten geholfen, das Kind zur Welt zu bringen, hätten die Stallung geputzt, etwas zu Essen gekocht – und praktische Geschenke mitgenommen (Windeln zum Beispiel)“. Diesen Witz habe ich in ‚Piffle‘, einem kostenlosen monatlichen Zeitschrift, gelesen. Ich muss daran denken, wie die Welt wäre, wenn mehr Frauen in Machtpositionen wären, insbesondere als politische Entscheidungsträger und Parlamentärinnen. Sehr wahrscheinlich gibt es kein Krieg mehr, da sie alternative Lösungen zu Problemen finden können.


Schnee

Das klassiche Weihnachtslied ‚Winter Wonderland‘ wurde eindeutig nicht von jemandem geschrieben, der mit dem Auto durch eine Großstadt fahren musste. Dieses Jahr gibt’s ungewöhnlich viel Schnee im Großbereich Vancouver. Am ersten Tag haben wir mehrere Autos, beziehungsweise LKWs, auf der Pattullo-Brücke gesehen, die aus der Spur gekommen sind – hinter ihnen Stau und Abschleppwagen. Wir mussten sogar ein paar Termine absagen oder verschieben, weil es zu gefährlich gewesen wäre, durch den Schnee zu fahren. Auch zu Fuß besteht ein erhöhtes Unfallrisiko – insbesondere durch die gepflügten und dadurch vereisten und glatten Fußwege. Man bedenke, wie steil die Straßen hier sind, da die Stadt zwischen dem Meer und den Bergen liegt. Ich mag Schnee allgemein gerne, muss aber zugeben, dass es sich nur dann um ein ‚Winter Wonderland‘ handelt, wenn man auf irgendeiner Heide mit einem Hund oder Kindern lachend herumläuft und mit schönem, unberührtem, fluffigem Schnee spielen kann. Ansonsten wird es eher ein Winter-Alptraum mit grauem Schneematsch, Lebensgefahr und Einschränkungen.


„Der Wert von Weihnachten für irreligiöse Menschen“ (Themavorschlag: George)

In Ländern, wo Weihnachten gefeiert wird – genauer gesagt, wo es ein Feiertag ist – kann Weihnachten auch unreligiösen Menschen einen Vorteil bieten. Allem voran hat man ein oder zwei Tage frei. Das bietet die Gelegenheit, sich zu erholen, sich um andere Interesse oder Aufgaben zu kümmern, oder sich mit Familie oder Freunden zu treffen. Für all diejenigen, die Kirche oder Religion nicht zynisch oder ablehnend gegenüberstehen, kann Weihnachten, als eine Art weltlicher Feiertag, schön und entspannend sein. Ich treffe mich zum Beispiel jedes Jahr mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt, um bei einer Tasse Glühwein Zeit mit ihnen zu verbringen, oder ich gehe durch die Stadt, um die bunten Lichter zu betrachten. Der Festtag erinnert uns auch an ein paar Prinzipien, auch wenn ihnen keine Folge geleistet wird: Großzügigkeit, Verzeihung, Frieden, Freude und lieb zueinander zu sein. Zu guter Letzt hat Weihnachten noch ein Vorteil für Kaufleute – und zwar gesteigerte Umsätze!


„Weihnachtssitte aus deinem Heimatland” (Themavorschlag: Sandrina)

Weihnachten wird von vielen Kanadiern, auch denen, die nicht christlich sind, gefeiert. Die Sitte stammt von englischen, französischen und amerikanischen Bräuchen. Wie in vielen anderen Ländern auch, ist es üblich, sich etwas zu schenken, etwas Besonderes mit der Familie zu essen, Weihnachtslieder zu singen und in die Kirche zu gehen. Geschenke werden in den Wochen vor Weihnachten unter einen Tannenbaum, echt oder aus Kunststoff, gelegt. Interessanterweiser ist die Tannenbaumindustrie Kanadas sehr groß: circa 1,8 Milliarden Bäume werden jedes Jahr exportiert, meistens nach Amerika. Die meisten Bäume sind Fichten. Einige Kinder glauben an den mythischen Weihnachtsmann ‚Santa Claus‘, der in der Nacht vom 24. Dezember mit einen Rentierschlitten Geschenke für Kinder verteilt. Heutzutage kann man ihn im Einkaufszentrum kennenlernen. Zu Essen gibt es genauso wie am Erntedankfest üblicherweise Truthahn und Preißelbeeren – und in Quebec, Fleischpasteten. Da es an Weihnachten um Großzügigkeit gehen soll, ist diese Jahreszeit auch zunehmend von gemeinnützigen Spenden geprägt.


Die Sharing-Economy

Kennst du ‚Bunz‘? Ich bis vor letztem Monat auch nicht. Es ist ein Flohmarkt, auf dem man mit anderen Sachen teilen statt mit Geld zahlen kann. Hätte ich zum Beispiel einen alten Wasserkocher, den ich nicht mehr brauche, würde ich, wie bei einer Plattform wie ‚eBay Kleinanzeigen, ‘ ein Foto und eine kurze Beschreibung hochladen. Aber anstatt einen Preis anzugeben, würde ich sagen, was ich für den Wasserkocher gerne als Gegenleistung hätte – zum Beispiel eine Pflanze, ein Hemd, Apfelsaft, Kekse, eine Fahrkarte, eine Tasche, einen Bilderrahmen – es gibt keine Grenze. Außer Geld. Diese Plattform wurde vor drei Jahren von einer Kanadierin ins Leben gerufen und hat allein in Toronto über 28.000 Mitglieder. Es ist meiner Meinung nach der nächste logische Schritt in der sogenannten Sharing-Economy, in der Teilen statt Kaufen die Norm ist.


„Gibt es deiner Meinung nach ein Unterschied zwischen Dialog und Diskussion?” (Themavorschlag: Jens)

Im Großen und Ganzen sind sich Dialog und Diskussion ziemlich ähnlich. Es handelt sich um einen verbalen oder schriftlichen Austausch von Ideen, Fakten oder Meinungen zwischen mehreren Menschen. Eine Dialog ist meiner Meinung nach formeller, offizieller und steifer als eine Diskussion. Es erinnert mich an Botschaftler und Diplomaten, wobei allein die Tatsache, dass die Rede stattfindet, schon wichtig ist, egal was eigentlich gesagt wird. Ich muss auch daran denken, dass die Teilnehmer vielleicht selten oder ungern mit einander sprechen, so zum Beispiel ehemalige Kriegsgegner. Eine Diskussion hat normalerweise ein Thema, über das geredet wird. Das Format kann flexibler sein. Ich habe jeden Tag Diskussionen mit jedem über alles.


„…Schwäne, Gänse, ‘calling birds’, französische Hühner, Turteltauben, Rebhühner…” (Themavorschlag: Angelita)

Schwäne besitzen einen gleichermaßen guten wie auch schlechten Ruf. Einerseits gelten sie als elegant und rein. Sie sind ein Symbol für Liebe, Treue und Schönheit. Wahrscheinlich kennst du das Märchen ‚Das hässliche Entlein‘, in dem ein hässliches Entchen zu einem schönen Schwan wird. Andererseits heißt es, Schwäne seien aggressiv. Vor fünf Jahren ist ein amerikanischer Mann nach einem Angriff eines Schwans ertrunken. Experten zufolge, schützen die Tiere ihre Nester mit allen Mitteln. Insbesondere die männlichen Schwäne sollen ihre Reviere heftig verteidigen. Angriffe auf Menschen seien dennoch sehr selten. „Die Gefahr wird übertrieben und begründet sich teilweise nur durch die erhebliche Größe des Vogels,“ so der Ornithologe Chris Perrins. „Vermutlich würde ein Entchen einen Mensch nicht angehen, da es viel kleiner ist.“


Vorsätze

Was für ein Klischee Neujahrsvorsätze zu fassen! Jedes Mal sind sie bei mir das Gleiche: sportlich aktiver sein, Fremdsprachen lernen, gesünder essen, früher ins Bett gehen. Aber dieses Jahr wird es mal anders, da ich schon genug Sport mache, gesund genug esse und mir genug Mühe gebe, eine Fremdsprache zu lernen. Erstens beabsichtige ich, dieses Jahr mit mehr Empathie und Offenheit zu kommunizieren. Ich finde es allgemein schwierig, enge Freundschaften und Beziehungen aufzubauen, vielleicht weil ich etwas zurückhaltend und unsicher sowie gleichzeitig eitel bin – was sich auf das zwischenmenschliche Verhalten und meine Kommunikation auswirkt. Ich will ein offener und sympathischer Mensch werden. Mein zweiter Vorsatz betrifft die Arbeit. Ich interessiere mich nicht wirklich für meine Arbeit. Vielleicht habe ich deswegen immer noch keinen richtigen Rhythmus. Diese Leidenschaftslosigkeit ist unerträglich. Ich will Interesse an meiner Arbeit entwickeln. Leider habe ich aber keine Ahnung, was die konkreten Schritte sind, um diese zwei Ziele zu erreichen. Vorschläge sind willkommen!

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2 thoughts on “schwäne, schnee und sonstiges

  1. Zu deinen Vorsätzen: Ich habe mir vor einigen Jahren ähnliche Fragen zu Empathie und Sympathie gestellt. Vielleicht findest du ja aus meinen Erfahrungen einen Ansatz für dich.

    Zunächst gibt es eine große Bandbreite, was in diesem Fall normales menschliches Verhalten ist. Es gibt eher rationale und eher emotionale Menschen, aber jeder hat ein Set von emotionalen Fähigkeiten – abgesehen von Psychopathen. Und diese Fähigkeiten kann man trainieren. Ich hab durch den vielen telefonischen Kundenkontakt auf der Arbeit erkannt, dass einiges auch recht simpel ist.

    Zeige Interesse an deinem Gegenüber (Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn). Das muss zunächst gar nicht echt sein (besser wäre es natürlich). Dein Interesse an deinem Gegenüber wird dich automatisch sympathischer erscheinen lassen, worauf dein Gegenüber sich auch dir gegenüber freundlicher verhält. Was dir gefallen wird, wenn du eitel bist. Diese selbsterfüllende Prophezeiung kann sich so steigern, dass aus dem höflichen Interesse ein echtes Interesse wird.
    Im Umkehrschluss: Wenn du auf Interesse und Sympathie dir gegenüber mit Unsicherheit und Angst vor Zurückweisung reagierst, wirkst du selbst kühl und reserviert. Deine Sympathiewerte beim Gegenüber sinken. Da muss man als eher rationaler, schüchterner Mensch, dann den Mut aufbringen und über seinen Schatten springen. Selbstvertrauen hilft hier natürlich.

    Ein weiterer Schritt für mehr Empathie ist es, die Körpersprache und Mimik zu deuten. Mit etwas mehr Achtsamkeit und Wissen darüber kannst du Sympathie beim Gegenüber erkennen oder versuchen durch bewusste Signale dein Interesse zu zeigen.

    Konkete Schritte:
    – Ein unaufdringliches Kompliment machen.
    – Banal aber effektiv: Jemandem den man mag, dies auch sagen.
    – Lächeln wirkt freundlich und offen: Nicht nur viel öfters im eigenen Beziehungskreis lächeln, sondern einfach mal in der Stadt eine fremde Person anlächeln und auf eine Reaktion warten.
    – Augenkontakt suchen und halten öffnet so manche Tür.
    – Achte darauf, wie sich die Körpersprache anpasst, wenn man sich sympathisch ist.
    – Suche aktiv Gespräche. Stelle offene Fragen, auf die man nicht nur mit ja und nein antworten kann. Sollte der Gesprächspartner reserviert bleiben, antworte du ausführlicher und ermutige ihn damit es auch zu tun.
    – Aktiv zuhören und Gemeinsamkeiten betonen.
    – Versuche dir Kleinigkeiten zu merken, die du in einem weiteren Gespräch erneut ansprechen kannst.
    – In einer richtig guten Beziehung auch mal emotionale Themen ansprechen. Das zeigt nicht nur Vertrauen und Empathie, sondern kann zudem dabei helfen zu erkennen, wie es um die eigenen emotionalen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Menschen steht.
    – Mindeset: Ein Gespräch findet auf Augenhöhe statt (Transaktionsanalyse)

    • Hilfreiche Vorschläge und guter Rat. Es stimmt auf jeden Fall, dass gezeigtes Interesse und Sympathie (in meisten Fällen, irgendwann) zurückgegeben werden. Das gilt insbesondere, wenn beide eher zurückhaltend sind.
      Ich habe schon oft bemerkt, dass ich meinem Gegenüber zuhöre, nicht um zuzuhören oder ihm besser zu verstehen, sondern um eine Antwort zu formulieren, als ob es eine Debatte wäre. Das ist allerdings kein empathischer Ansatz.
      Manchmal finde ich es auch schwer, emotionale Reaktionen sofort zu zeigen, teilweise weil ich in der bestimmten Situation nicht stark emotional reagiert. Es geht auch darum, dass ich zu viele Filters anwenden.
      Ich werde mein Verhalten schärfer beobachten.

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