hier ist alles möglich

meine Spuren auf unberührtem Schnee
meine Spuren auf unberührtem Schnee

Ich möchte auf dem vorherigen Thema (‘Hier könnte dein Traum ausgeführt werden‘) näher eingehen.

Mein Cousin ist nach einem Austauschsemester in Wien wieder in Kanada (sogar an der Uni, die meine Alma Mater ist). Er schreibt, dass die letzten vier Monaten die glücklichsten und besten waren, die er bisher erlebt hat. Er habe nicht nur eine neue Ecke der Welt, sondern auch etwas Neues über ihn selbst, entdeckt. Dieses Gefühl kann ich komplett nachempfinden, weil es für mich nach meinem Austauschsemester in Uppsala dasselbe war.

Es geht um die großen Fragen “Wer bin ich?” und “Was kann/will ich machen?”

In Malta habe ich beim Praktikum ein paar Leute kennengelernt, die nach Lesvos fahren wollen*, um ihre Hilfe Flüchtlingen (durch die Nichtregierungsorganisationen, die dort arbeiten) freiwillig anbieten. Obwohl sie noch nicht in Griechenland sind, wissen sie viel über die täglichen Situation vor Ort. Und noch beeindruckender können sie einen Zusammenhang zwischen Politik (das, was in den Nachrichten berichtet wird) und Realität (das, was Menschen passiert und was sie erleben) herstellen. Zum Beispiel, sie haben vor kurzem gehört, dass im Moment kommen weniger Flüchtlinge von der Türkei auf den griechischen Inseln an. Warum? Sie nehmen an, dass das neue Engagement von NATO effektiv ist.

*Eine ist heute gerade auf Lesvos gelandet. Es hat natürlich nichts mit mir zu tun aber ehrlich gesagt, bin ich stolz darauf, dass ich sie kenne, wenn auch nicht so gut.

Und weil ich sie kenne, und weil ich am Mittelmeer bin, fühlt es sich an, als ob ich näher zu den Flüchtlingen bin, wenn ich auch bisher keinen einzigen Flüchtling kennengelernt habe. Die Nachrichten kann man überall in der Welt lesen, aber hier – hier ist es wirklich, hier kann man die sogenannte Flüchtlingskrise ernst nehmen. Hier ist man (fast) an der Frontline, hier kann man eine kleine, kleine Auswirkung auf der Welt haben. Allerdings kommen sehr wenige Flüchtlinge nach Malta. Noch weniger bleiben.

CHECK YOUR PRIVILEGE! Ich erkenne doch die Gefahr mit meiner westlichen/reichen Weltanschauung und Hintergrund. Es erinnert mich am Film ‘Blood Diamond’: Die Figur, die von Leonardo DiCaprio gespielt ist, lernt eine amerikanische Journalistin in Sierra Leone kennen, die gerade in Kosovo (oder Bosnien?) war. Er wirft ihr Krisehunger vor – sie jage Katastrophen. Die Entwicklungsländer sollten ja kein Spielplatz für gebildete, oft (aber nicht nur) reiche, oft (aber nicht nur) weisse Leute aus dem Westen – also, Norden – sein.

Eine gute Freundin von mir, die in Toronto wohnt und arbeitet, fand es toll, dass ich in Malta bin, und ist immer auf meinem nächsten ‘Abenteuer’ gespannt, weil ich scheinbar immer etwas Neues mache. Das stimmt im Vergleich mit Manchen und stimmt nicht im Vergleich mit anderen. Aber ich verstehe, was sie meint, weil ich seit dem Austauschsemester in Uppsala das Gefühl habe, dass in Europa alles möglich ist. Wenn ich keinen Job in Deutschland hätte, würde ich sehr wahrscheinlich noch eine Weile in Malta bleiben, um die geistige Freiheit zu haben, mein nächstes Projekt zu entwickeln. Ich könnte mir vorstellen, bis ich 35 bin, in Europa zu bleiben. Ein Leben in Kanada oder woanders in allernächster Zukunft kann ich im Moment nicht vorstellen. Da Kanada meine Heimat ist, finde ich das eigentlich etwas verwirrend – und traurig.

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