migrantische communities in st. georg, hamburg

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Gegenseitige Ökonomie: Die Centrum-Moschee mit den auffälligen Minaretten befindet sich neben Lindenbazar, dem wahrscheinlich größten türkischen Supermarkt in Hamburg. (Foto: eslam.de)

Lezte Woche habe ich an einem besonderen Stadtrundgang teilgenommen. Das Thema war migrantische Communties in Sankt Georg, einer der vielfältigsten Stadtteilen in Hamburg.

Es hat viel Spaß gemacht. Was ich gelernt habe:

  • Dank der Stadtmauer war Sankt Georg ganz von Anfang an ausgegrenzt
  • Die Stadteil beherbergt zwanzig Moscheen, die höchste Zahl in Hamburg. Sie fallen aber nicht auf, weil wenige davon Minarette haben. Aufgrund Kosten und Politik befinden einige sich in z.B. ehemaligen Tiefgaragen.
  • Hier ist auch das größte Polizeiaufgebot in der Stadt.
  • Am kleinen, weißen ‘Lampedusa-Zelt’ neben Hauptbahnhof war ich zwar mehrmals vorbeigelaufen, ich kannte aber die Geschichte von Lampedusa immer noch nicht. Die italienische Regierung hat, entgegen dem Dublin Abkommen, manche Asylanten (?) auf Lampedusa ein Visum gegeben, das im ganzen Europa gültig waren, und manche nach Hamburg geschickt. Der Senat Hamburgs war am Anfang dagegen, die Asylanten ein Aufenthaltserlaubnis zu geben. Da viele Hamburger einer anderen Meinung waren, änderte der Senat letztendlich die Entscheidung. Aber was jetzt der offizielle Status der Asylanten/Flüchtlinge ist – oder wie es ihnen überhaupt geht, bin ich mir nicht sicher. Nach einem anderen Teilnehmer der Stadtrundgang sind sie immer noch in der Sankt Pauli Kirche.
  • Racial-Profiling gescheht in Hamburg, aber – gegen die eigene Intuition? – in Sankt Georg nicht so oft. Der Grund dafür ist, dass die Mehrheit der Einwohner als Menschen mit Migrationshintergrund ausgeprägt sind.
  • Gegenseitige Ökonomie wurde aufgezeigt. Die afghanische Bäckerei (die einen echten Tandoor-Ofen nutzt!), die neben der Moschee steht: Sie haben die Kundschaft gemeinsam. Die Firma, die Autos nach Ausland verschifft, befindet sich nicht im Hafen (was Sinn ergeben würde) sondern in Sankt Georg, wo die Kundschaft ist.
  • Nicht nur die Stadtteil im Vergleich mit dem Rest Hamburgs (also, überwiegend weiße Deutsche, mit ein paar Ausnahme), sondern auch die Subkultur in Sankt Georg selbst, ist vielfältig. Hier sind nicht nur ‘Türken’ und ‘Muslime’, sondern auch Syrer, Afghanen und Afrikaner. Zwischen Moscheen und Döner-Laden sind Sex-Kinos, Casinos und der Hansaplatz, wo Prostituierten auf Kunden warten. Auf einer Parallelstraße ist ein homosexuelles Fitnesszentrum. Diese verschiedene Gruppen leben nebeneinander, obwohl sie vermutlich weniges Zusammenspiel miteinander haben.
  • Es gibt nicht genug muslimische Friedhöfe in Hamburg. Manche christliche Friedhöfe haben eine kleine Ecke für die Bestattung von Muslimen. Im Tod wie im Leben sind sie getrennt (und jetzt für Ewigkeit). Eine Bestattungsfirma wird helfen, den Toter nach sein Heimatland schicken. Aber was ist es, wenn der oder die Familie schon seit mehrere Generationen in Deutschland wohnt, und sich Deutschland wie Heimat anfühlt?
  • Christliche Kirchen bekommen viele Vorteile in Deutschland, z.B. Steuer vermeiden. Moscheen sind ein Kapitel für sich. Theoretisch könnte jede Moschee wie eine Kirche behandelt werden. In Wahrheit hat bisher nur eine (!?!), in Köln, erfolgreich dafür beantragt.

Ich würde gerne mehr darüber lernen, wie die migrantischen Gemeinde sich selbst organisieren – kulturell, politisch, wirtschaftlich – um ein Gemeinschaftsgefühl zu bauen. Es wäre für mich auch interessant gewesen, mehr über die Interaktion von verschiedene Gruppen zu lernen. Wenn ich an Sankt Georg geografisch denken, denke ich an zwei Hauptstraßen: Steindamm und Lange Reihe. Sie sind sehr unterschiedlich. Leben sie (und ihre Gemeinschaften) wirklich nur im Parallel zu einander, obwohl sie zu der gleichen Stadtteil gehören?

Gibt es eine besondere vielfältige Stadtteil in deiner Stadt? Was ist für Sie da bemerkenswert?

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